Die Autoren
Martin Beyer
Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt am Main, ist promovierter Germanist und arbeitet als Schriftsteller, Redakteur und Dozent für kreatives Schreiben in Bamberg. 2009 erschien im Klett-Cotta Verlag der Trakl-Roman Alle Wasser laufen ins Meer, im selben Jahr wurde Beyer mit dem Walter-Kempowski-Literaturpreis ausgezeichnet, 2011 mit dem Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg. Neben Kursen zum kreativen Schreiben bietet Beyer für das Bildungsprojekt Junge Dichter und Denker den Workshop Rap trifft Goethe & Co. an. Zuletzt: Friday, I’m almost dead (but still in love), in: Punk Stories (2011).
Lukas Wehner
Lukas Wehner, geboren 1986 in Fulda, studiert seit 2006 Deutsch und Erdkunde für Gymnasiallehramt in Bamberg. Im März 2010 gründete er den Verlag perpetuum publishing, der sich in erster Linie darum kümmern wird, dass Studenten moderne und frische Bücher für Studenten schreiben. Noch im selben Jahr erscheinen das erste Studienbuch WIR Kartographen und das Schulheft WIR erkunden. 2011 folgt die Anthologie Zeichen & Wunder im Rahmen des neuen Kulturevents Bamberg liest. Wehner ist hier zusammen mit Martin Beyer Hauptveranstalter.
Anna Degen
Anna Degen (mit bürgerlichem Namen Karin Dengler-Schreiber), geboren 1947 in Bamberg, studierte Geschichte und Germanistik in Würzburg und Wien und promovierte über Skriptorium und Bibliothek des Klosters Michelsberg in Bamberg. Die Mutter von drei Söhnen arbeitete als freie Historikerin, als Lehrbeauftragte an der Universität und der VHS Bamberg und veröffentlichte über 50 Bücher, Artikel und Aufsätze. Sie war 26 Jahre lang ehrenamtliche Heimatpflegerin von Bamberg und seit 2008 Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg. Zuletzt: Kunigunde und Heinrich, Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe (2008)
„Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Zunächst haben wir bei Tee und Plätzchen den Plot entwickelt, der Andreas Idee war. Anschließend entstand in heftigem Mail-Verkehr Stück für Stück die Handlung, immer wieder gegenseitig überarbeitet, durchaus kritisch, aber ohne Verdruss. Dann haben wir uns noch dreimal am Laptop zusammengesetzt und gefeilt, gestrichen, Fehlendes ergänzt, klarere Aussagen und treffendere Assoziationen gesucht. Fazit: so ein Schreib-Tandem ist nicht immer ganz einfach, da der eigene Stil verwischt wird, andererseits aber auch ungemein lehrreich, weil von Anfang an verschiedene Sichten in den Text einfließen, das Ganze sozusagen zur 3D-Version wird. Man lernt eine Menge zusätzlich über das Handwerk des Schreibens – und Spaß macht es auch.“
Andrea Amft
Andrea Amft, geboren 1987 in Bamberg, studiert seit 2008 Lehramt für Grundschulen mit dem Hauptfach Germanistik und den Didaktikfächern Mathematik, Biologie, Kunst. Neben der Schule entdeckte sie schon in frühen Jahren das Schreiben als ihre Leidenschaft und nahm bereits (z.T. erfolgreich) an vielen Literaturwettbewerben teil.
„Gemeinsam ist einiges schwerer beim Schreiben, aber auch vieles einfacher. Man tauscht sich über alles aus, sucht und findet erst gemeinschaftlich passende Wörter und Bilder, versucht sich in die Gedanken und Emotionen des anderen hineinzuversetzen und sie zu berücksichtigen. Insofern war auch das Motto der Anthologie Stirb & Werde sehr passend für die Zusammenarbeit im Tandem. Erst durch das wechselseitige Zusammenspiel kann man erkennen, dass eigene Ideen manchmal 'sterben' müssen, damit wirklich ein gemeinsamer Text 'werden' kann. Doch im Endergebnis ist nicht mehr zu erkennen, wann die Gedanken meiner Schreibpartnerin beginnen und meine enden. Alles fügte sich zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Ich habe bei den Treffen, bei diesem spannenden und kreativen Prozess im Allgemeinen, viel von meiner Tandempartnerin gelernt – sei es der Blick für Details oder wie man einen Text kürzen kann (denn ein Wort sagt manchmal mehr als eine ganze Seite). Auch wenn ich also selbst viel für unseren gemeinsamen Text gegeben habe – ich habe immer mindestens genauso viel zurückbekommen. Danke, Anna!“
Tanja Kinkel
Dr. Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt diverse Literaturpreise, Stipendien in Rom, Los Angeles und an der Drehbuchwerkstatt in München. Sie ist im PEN-Präsidium, veröffentlichte vierzehn Romane, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt sind; unter anderem Die Puppenspieler, Götterdämmerung, Venuswurf, Säulen der Ewigkeit, Im Schatten der Königin und Das Spiel der Nachtigall. Tanja Kinkel ist Schirmherrin der Bundesstiftung Kinderhospiz. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation "Brot und Bücher e.V." (www.brotundbuecher.de). www.tanja-kinkel.de
„Annika und ich entdeckten schnell, dass wir eine Vorliebe für Phantastisches gemeinsam hatten. Ihr Einfall, die Geschichte von Schneewittchen als Grundlage für eine Neuinterpretation mit einer zentralen Rolle für den Spiegel zu nehmen, reizte mich sofort. Dabei war es für mich aufschlussreich, die Arbeit einer Lektorin statt einer Autorin auszuüben. Ich glaube, dass Annika mit ihrem Sinn für Ironie und Erzählfreude noch viel erreichen kann.“
Annika Heidrich
Annika Heidrich, geboren 1987 in Kaufbeuren, studierte Germanistik, Kommunikationswissenschaft und Angewandte Informatik in Bamberg. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Redaktions- und Agenturpraktikum.
„Unsere Grundidee, eine weibliche Hauptfigur und einen Spiegel mit Identitätskrise in einer Geschichte zu vereinen, entstand bereits bei unserem ersten Treffen. Das Motto Stirb & Werde gab schließlich den Ausschlag dafür, dem Ganzen auch noch einen vergifteten Apfel hinzuzufügen. Es hatte schon etwas Magisches, mitzuverfolgen, wie die kleine Idee innerhalb von zwei kurzen Begegnungen zu einem fertigen Plot heranreifte. Tanja Kinkels Einfälle waren dabei immer der Kitt, der meine Puzzleteile zu einem geordneten Gesamtbild zusammengefügt hat. Am schwierigsten war es beim Schreiben dann, von Anfang an einen passenden Stil zu finden, um nicht mit der Platzbegrenzung anzuecken und dennoch alles in die Geschichte hinein zu bekommen, was hinein sollte. Es ist ein schönes Gefühl, zu sehen, dass auch das geklappt hat.“
Mia Pittroff
Mia Pittroff, geboren 1980 in Bayreuth, ist Kabarettistin und freie Autorin. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie bei Poetry Slams, 2005 belegte sie mit ihrem Team tha boyz with tha girlz in tha back den ersten Platz beim National Poetry Slam in Leipzig. Seit 2010 ist sie mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Kabarettprogramm mein Laminat, die Sabine und ich zwischen Wien und Ostfriesland unterwegs und schreibt als Glossistin für den Bayerischen Rundfunk. Mia Pittroff hat Germanistik und Kunstgeschichte in Bamberg studiert und lebt in Berlin.
„Bei unseren Kennenlern- und Arbeitstreffen in Berlin und Bamberg ging es natürlich zuerst einmal darum, sich kennenzulernen und zu schauen, welche Erwartungen wir beide an den jeweils anderen und das Ergebnis unserer Zusammenarbeit hatten. Wollen wir den Text – quasi vierhändig – gemeinsam schreiben, oder sollte die eine schreiben und die andere einfach ihren Senf dazugeben? Oder sollte doch lieber jeder für sich einzelne Passagen verfassen, die dann nur noch zusammengefügt werden müssten? Und dann hieß es ja noch Thema und Form des Textes zu finden. Latte Macchiato, Ingwertee, kreative Eingebungen und das ein oder andere Bier flossen in Strömen. Sich aus dem Kosmos an Möglichkeiten auf einen gemeinsamen Weg zu einigen beanspruchte dann wirklich ein paar Tage in denen wir heiß diskutierten, und zahlreiche Schlachtpläne ent- und verwarfen. Zuerst einigten wir uns darauf, einen Text nur in Form von behördlichen Anträgen zu verfassen. Ein Vorhaben, das wir nach den ersten zehn Anträgen dann doch zugunsten einer klassischeren Erzählstruktur wieder aufgaben. In den anschließenden Wochen schickte mir Filiz ihre Textvorschläge und wir diskutierten am Telefon, per Mail und Skype über Inhalt, korrekte Zeitenfolgen und Stilfragen. Wenn ich alleine einen Text schreibe, passiert viel auch auf nonverbaler Ebene. Man spürt sich in seine Figuren ein, sie haben automatisch einen Subtext, den man zu großen Teilen nicht extra kommunizieren muss oder möchte. Für mich war es vor allem auch interessant festzustellen, wie unterschiedlich jeder von uns die einzelnen Figuren wahrnahm, auch wenn wir diese ja zusammen entworfen haben. Irgendwann diskutierten wir über die Charaktere wie über alte Bekannte. Und nach so vielen Ingwertees und Telefonaten kommt mir Filiz jetzt auch schon vor wie eine alte Bekannte.“
Filiz Penzkofer
Filiz Penzkofer, geboren 1985 in München, studierte Germanistik, Journalismus und Turkologie in Bamberg. Hier lebt sie auch heute noch als freie Journalistin, Theater-Pädagogin und Bayern2-Kolumnistin. Filiz Penzkofer gewann gleich zweimal den Feki-Literaturwettbewerb.
„Wie geht man vor, wenn man zum ersten Mal in seinem Leben einen Text zu zweit schreiben wird? Man lernt sich erst mal kennen. Es war Oktober und es war kalt und verregnet als ich ein Wochenende zu Mia nach Berlin fuhr. Mia hat schon mehr Erfahrung im Schreiben zu zweit. Sie kannte sich aus. „Am besten lernt man sich kennen, wenn man was Schönes zusammen macht“, sagte sie. Wir gingen in die asiatische Suppenküche, stürmten Secondhandläden, gingen ins Kaffee um uns aufzuwärmen und kauften tütenweise Naschwerk für Zuhause. Es war großartig. Jetzt fehlte nur noch der Text. Ich sehe uns vor mir, beide auf Mias Teppich, die Laptops auf den Knien, die Köpfe voll guter Gedanken. Zu viele gute Gedanken. Wir begannen ein Beziehungsdrama kommuniziert über Todesanzeigen. Wir verwarfen es. Begannen eine trashige Erzählung über Wiedergeburt. Die Nacht wurde kürzer, das Konzeptpapier länger. Bamberg rief. Ich musste gehen. Der Plan: ich würde anfangen, Mia einsteigen. Dann die Erkenntnis: Die Kunst hält sich nicht an Pläne. Sie entwickelt Eigendynamik, verselbstständigt sich, lenkt und dirigiert die Sätze, bis etwas anderes dasteht, als man eigentlich schreiben wollte. Wie erklärt man das dem Tandemschreiber? Überhaupt: Kann die Hauptfigur, ihr Denken, ihr Handeln vom anderen stimmig weitergeführt werden, wenn doch jeder ein eigenes subjektives Gefühl von ihr hat. Jeder hört die Figur mit seiner eigenen, inneren Stimme reden. Es wäre sehr schwierig geworden, den Text vierhändig zu schreiben. Aber es ist eine große Erleichterung, Mia an seiner Seite zu wissen. Auch wenn sie beruflich viel unterwegs war, sie war immer da, bereit für jede Frage. „Findste das doof, wenn der Mann doch nicht tot ist, sondern nur Frühschoppen?“, fragte ich. Ein wenig später dann: „Findste das doof, wenn der Mann doch nicht beim Frühschoppen ist, sondern Kriegsverbrecher?“ Mia fand das nicht doof. Ihre Meinung war mir unglaublich wichtig, wurde Antrieb, weiterzuschreiben. Natürlich gab es auch Dinge, die ihr nicht so gut gefielen. War ein Satz unverständlich, dann half Mia beim Entwirren. Zweifel am Text verpackte sie charmant in Gegenfragen: Meinst du nicht, dass Mondlicht, Gold und Meer in einem Satz ein bisschen zu viel ist?“, fragte sie zum Beispiel. Doch, war es. Ihre Kritik war wie Pflastersteine, die meinen Buchstaben den Weg ebneten. Eine bessere Metapher ist mir nicht eingefallen. Vielleicht kann mir Mia helfen.“
Joana Laux
Joana Maria Laux, geboren 1991 in Bamberg, leistete nach dem Abitur für sechs Monate ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten in Ankara. Im Sommer 2011 war sie für ein Semester in Bamberg für die Sprachpraktische Ausbildung in Türkisch eingeschrieben. Seit Herbst 2011 studiert sie Psychologie in Erlangen. Sie wird von der Bayerischen Akademie des Schreibens gefördert.
„Es war ein bisschen wie ins kalte Wasser springen – nur dass das Wasser nicht kalt ist. Ungewohnt nass und ungewohnt anders, seine Texte mit Nora besprechen zu können, aber immer aufgeschlossen, kommunikativ, um nicht zu sagen kreativ, und natürlich anders als erwartet. Vielen Dank, Nora, für viel Unkonventionelles, Unkompliziertes und angenehme Wassertemperaturen.“
Nora Gomringer
Nora Gomringer, geboren 1980 in Neunkirchen/Saar, hat in Bamberg studiert und leitet dort seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. Sie hat fünf Lyriksammlungen, Kolumnen und Artikel für verschiedene Feuilletons sowie einen Essayband veröffentlicht. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen wurde ihr 2011 der Jacob-Grimm Preis Deutsche Sprache zuerkannt. Oft tritt sie im internationalen Rahmen mit Musikerinnen und Musikern auf und schätzt das Grenzgängertum zwischen den Künsten. Zuletzt: Ich werde etwas mit der Sprache machen und Mein Gedicht fragt nicht lange + CD (2011). www.nora-gomringer.de
„Diese Zusammenarbeit war eine im Geiste, weniger eine echte mit gemeinsam in einem physischen Raum verbrachter Zeit. Das können Joana und ich derzeit kaum leisten. Was spannend war: Joana schreibt Prosa. Ich denke ja immer, dass die Gehirne von Prosa-Autoren anders funktionieren (müssen). Das bewundere ich, aber es befremdet mich auch. Ich glaube, Joana wird viel schreiben in der Zukunft und man wird sich festhalten müssen, wenn man ihre voranstürmenden Zeilen liest. Sie hält viel Welt in ihren Sätzen.“
Martin Beyer
Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt am Main, ist promovierter Germanist und arbeitet als Schriftsteller, Redakteur und Dozent für kreatives Schreiben in Bamberg. 2009 erschien im Klett-Cotta Verlag der Trakl-Roman Alle Wasser laufen ins Meer, im selben Jahr wurde Beyer mit dem Walter-Kempowski-Literaturpreis ausgezeichnet, 2011 mit dem Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg. Neben Kursen zum kreativen Schreiben bietet Beyer für das Bildungsprojekt Junge Dichter und Denker den Workshop Rap trifft Goethe & Co. an. Zuletzt: Friday, I’m almost dead (but still in love), in: Punk Stories (2011).
Ich glaube ja, dass Judith und ich in unserem Schreiben ähnliche Stärken und Schwächen haben. Und ich vielleicht einen kleinen Erfahrungsvorsprung, die Schwächen auch zu sehen und zu beseitigen. Wie ich darauf komme? Wir hatten trotz Zeitnot in unseren Gesprächen kaum Schwierigkeiten, die Charaktere und den Plot zu entwickeln, auch haben wir relativ schnell einen gemeinsamen Ton gefunden. Das hat mich überrascht und gefreut, und es war schön zu sehen, wie Judith sich nach anfänglichen Schwierigkeiten freigeschrieben hat. Wir waren Tandempartner, die häufig vom Rad steigen mussten, um andere Dinge zu erledigen (vor allem ich). Aber wir sind trotzdem ans Ziel gekommen.
Judith Wiedemann
Judith Wiedemann, geboren 1988 in Tettnang (Bodenseekreis), absolvierte nach ihrem Abitur ein kulturelles Freiwilligenjahr in Stuttgart. Seit Herbst 2008 studiert sie Germanistik, Soziologie und Kommunikationswissenschaft in Bamberg und kehrte im Sommer 2011 von einem einjährigen Studienaufenthalt in Tampere (Finnland) zurück.
„Zum ersten Treffen stand ich 15 Minuten zu spät mit nassen Haaren vor Martins Büro und dachte: 'Wenn unsere Zusammenarbeit so läuft wie dieser Morgen, wird das eine Katastrophe.' Wurde es nicht, und es wurde auch kein Kampf zwischen uns. Denn unser Schreibstil harmonierte und wir hatten uns schnell auf einen groben Plot geeinigt. Nur der Text selbst entstand langsam. Denn den Kampf führte ich mit Schreibblockaden und Martin mit seinem Terminkalender. Wir schrieben abwechselnd, kommentierten und änderten, führten fort und diskutierten, bis der Text okay und die Zeit vorbei war. Dank Martins Geduld und Verständnis, Feedback und Tipps war die Arbeit im Tandem eine schöne und vor allem lehrreiche Erfahrung!“
Maia Tabukashvili
Maia Tabukashvili, geboren 1976 in Rustavi, Georgien, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Bamberg. Sie studierte Germanistik in Tbilisi sowie Germanistik, Journalistik und Soziologie in Bamberg. Parallel zu ihrem Studium betätigte sie sich als Dolmetscherin und Übersetzerin in zahlreichen Projekten und widmet sich in den letzten Jahren verstärkt der Literaturübersetzung.
„Die Zusammenarbeit war eine schöne Herausforderung. Sophia saß im südfranzösischen Aix-en-Provence, ich in Bamberg. Facebook war manchmal die Rettung. Skypen ging nicht. Wir hatten uns für ein sehr sensibles Thema entschieden, dazu noch für einen gemeinsam verfassten Text. So grübelten wir im vergangenen Winter abends oft lange vor unseren Bildschirmen, überlegten, wie unser Protagonist agiert, was er fühlt, denkt. Dann folgten: Umsetzung, Kritik, Überarbeitung. Es hat mir Spaß gemacht, liebe Sophia!“
Sophia Léonard
Sophia Léonard, geboren 1991 in Seeheim-Jugenheim, studiert seit April 2010 Germanistik und Romanistik in Bamberg. Seit September 2011 lebt sie für ein Jahr in Aix-en-Provence und ist dort an der Université de Provence eingeschrieben.
„Wir hatten einige intensive Treffen und einen sehr bereichernden Austausch. Besonders spannend war es auch, mit einer georgischen Autorin über dieses ungewöhnliche Gesprächsthema zu diskutieren. Die Ausführung der Ideen war dann begleitet von spontanen Freudensrufen und ehrlicher Kritik. Vielen Dank dafür, liebe Maia!“
Peter Braun
Peter Braun, geboren 1960 in Bamberg, gelernter Kfz-Mechaniker, arbeitet nach seinem Studium der Zahnmedizin als Publizist und freier Journalist. Veröffentlichungen in der Süddeutschen Zeitung und dem Rheinischen Merkur. Hörfunkarbeit für den Bayerischen Rundfunk, die Deutsche Welle, MDR, SWR und BBC. Drehbucharbeit für den NDR-Tatort Hamburg. Zahlreiche Buchveröffentlichungen bei Suhrkamp, dtv, Artemis & Winkler, Berlin Verlag. Hörfunk-Sonderpreis für das Hörspiel Die Zauberin sollst du nicht leben lassen. Berganza-Preis 2005. Zuletzt: Von Schatzinseln und weißen Walen. Eine kleine literarische Weltreise. www.braun-buch.de
„Eine Zusammenarbeit zwischen Autoren gilt gemeinhin als schwierig, zumal dann, wenn ein vermeintlich erfahrener Schreiber mit einem ebenso vermeintlich unerfahrenen Frischling gemeinsam an einer Geschichte sitzt. Der Profi pfuscht dem Amateur ins Handwerk. Klar. Aber der Amateur dem Profi? Bedenken, die mit Thilo Martens gar nicht erst aufkamen, denn er hat seine Schreibe parat. Er beherrscht seine Sprache. Und so war die gemeinsame Arbeit überaus leicht von Anfang an und seine Kritik an meinem Geschichtenteil sehr berechtigt. Natürlich gab es Unterschiede. Ich verstecke meine Botschaft an der Oberfläche, er in der Tiefe, aber beides zusammen ergänzt sich wunderbar. Und auch über das Thema der Geschichte waren wir uns fast aus dem Stand einig, gerade weil keiner von beiden vorhatte, über einen Ponyhof mit rosa Pferdchen mit blonden Mähnchen zu schreiben. Wir wollten eine harte Geschichte, wir schrieben eine. Ein paar wenige Treffen, und die Sache stand. Profi und Amateur? Davon habe ich nichts gemerkt. Dass eine seiner Erzählungen erst unlängst in eine österreichische Anthologie aufgenommen wurde, wundert mich gar nicht. Ich bin sicher, es wird nicht die letzte Geschichte sein, die Thilo Martens veröffentlicht hat.“
Thilo Martens
Thilo Martens, geboren 1987 in Berlin, studiert seit 2009 Philosophie und Germanistik in Bamberg.
„Die Zusammenarbeit mit Peter Braun war sehr angenehm. Über das Wichtigste herrscht Einigkeit: Texte verlangen Prägnanz. Jedes Wort ist wichtig, aber im Überflüssigen wird die Sprache missbraucht. Dazu der Konsens über die einzuschlagende Richtung und die Sache stand unter einem guten Stern. Unsere unterschiedlichen Arbeitsweisen waren damit nichts mehr, an dem wir uns aufzuhalten hatten. Sie gaben uns die Möglichkeit, den Text in die Tiefe hinein zu erweitern.“
Rainer Lewandowski
Rainer Lewandowski, geboren 1950 in Hannover, ist seit 1989 Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters Bamberg. Seit 1975 ist er als Autor für Hörfunk, Fernsehen, Theater und Verlage tätig. Er verfasste zahlreiche Hörspiele, Bücher, Opernlibretti und Theaterstücke, oft zu „Bamberger Themen“, zu E.T.A. Hoffmann sowie viele Kinderbücher. Das Bamberger Theater erhielt unter seiner Leitung internationale Einladungen und Auszeichnungen, unter anderen den Friedrich Baur Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung. Zuletzt: Die Hoffmann-Biografie über die Bamberger Jahre Lichte Stunden eines wahnsinnigen Musikers, ein Stück über Nietzsche und Wagner Ich bin ein göttlicher Hanswurst sowie die Oper Maria Theresia. www.rainer-lewandowski.de
„Nach der gemeinsamen Phase der Themensuche, die über das Titel gebende Goethe-Gedicht in verschiedene Bereiche des Lebens, des Sterbens, des Wi(e)der-Lebens führte, einigten wir uns auf das Thema zweier gegen läufiger Lebenswege. Ausgehend von zwei Auszügen eines Gedichtes von Rainer Lewandowski entwickelten wir die ‚getrennten’ Geschichten und die gemeinsame ‚Geschichte’ von Kathrin und Jakob, die bereits, unwissend, am Tage des Geborenwerdens der beiden beginnt und die Zeit bis zur Lebensmitte umfasst. Nach einem ersten Entwurf einer möglichen Handlung und der Vorausschau auf ein denkbares Ende von Rainer Lewandowski, entwickelte Vanessa Heyn die Geschichte weiter bis sie in das Zielende mündete. Gemeinsame Zwischenkorrekturen in Arbeitssitzungen, Handlung und Sprache betreffend, ergänzten die Zusammenarbeit. Immer interessanter wurde dabei die optische - und damit inhaltliche - Form der Erzählung, die durch die beiden Spalten die Differenzen des Paares, aber auch deren Gemeinsamkeiten oder die nur eine Person betreffenden Gedanken, Handlungen und Ereignisse optisch konkret darstellbar machte.“
Vanessa Heyn
Vanessa Heyn, geboren 1995 in Lichtenfels, möchte einmal Germanistik, Anglistik oder Psychologie studieren. Sie besucht momentan die 10. Klasse des Maria-Ward Gymnasiums Bamberg und arbeitet nebenbei als Nachwuchsreporter für den Fränkischen Tag.
„Die Zusammenarbeit mit Rainer Lewandowski war auf jeden Fall immer neu und abwechslungsreich. Wir trafen uns in seinem Büro im E. T. A-Hoffmann-Theater, ließen die Gedanken schweifen, überlegten, spannen Handlungsfäden, schrieben und dachten. Wir stellten Nachforschungen an und klingelten sogar in einem Krankenhaus durch, weil wir Fragen hatten. Und vor allem lasen wir immer wieder, was wir geschrieben hatten, verbesserten und erweiterten es. Tandem fahren ist anstrengend, aber schön, und ich bin froh, dass ich es ausprobieren durfte.“

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